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Begehrt und gefürchtet: Buchbesprechungen

Geschrieben am 27. März 2010 – 05:395 Kommentare

Buchbesprechung Rezension Begehrt und gefürchtet: BuchbesprechungenMacht man einen virtuellen Bummel durch die verschiedenen Online-Buchshops, findet man immer wieder die Aufforderung, zum jeweiligen Buch eine Rezension zu schreiben. Guckt man sich dann die Rezensionen genauer an, stellt man schnell fest, dass sie in den meisten Fällen nicht von professionellen Literaturkritikern, sondern von ganz normalen Lesern verfasst wurden. Und das ist auch gut so, denn was einem studierten Literaturkritiker gefällt oder auch nicht gefällt, spiegelt durchaus nicht den Geschmack der durchschnittlichen Leserschaft. Zumindest bei Belletristik sollten Leser ihren Autoren ruhig ein Feedback geben und ihnen mitteilen, wie ein Buch auf sie gewirkt hat, was ihnen besonders gefallen hat und was vielleicht nicht so gut ankam. Doch auch Sachbuchautoren sind dankbar für eine kompetente Rückmeldung.

Solange diese Rückmeldungen fair und sachlich sind, dürften die meisten Autoren darüber erfreut sein. Denn erstens bedeutet es, dass Menschen sich mit dem Inhalt auseinandersetzen und zweitens erhält er auf diese Weise Tipps und Hinweise, die ihm helfen können, seinen Stil weiter auszuarbeiten oder gegebenenfalls zu korrigieren. Eine hilfreiche Kritik ist ebenso förderlich, wie ein Lob motivierend ist.


Wie sollte eine Buchbesprechung aussehen?


Sehen wir uns einfach einige Beispiele an. Da schreibt zum Beispiel ein Leser: „Ich konnte nach der fünften Seite nicht weiterlesen, weil mir schlecht wurde.“ Ist das eine hilfreiche Information zum Buchinhalt? Also für mich nicht. Ein anderer Leser schrieb: „Ich kann das Buch nur mit einem Stern bewerten, weil ich es verschenkt habe und nicht selber lesen konnte.“ Aha, denke ich da erstaunt, weshalb dann überhaupt eine Bewertung? Mit solchen Aussagen kann doch niemand, der sich über ein Buch informieren möchte etwas anfangen. Auch dass ein Buch zum Heizen nicht taugt … ist schlicht falsch.


Einige Punkte, an die man sich halten kann

wenn man als Leser eine Rezension schreiben möchte, die anderen Lesern helfen soll, mehr über ein Buch zu erfahren.
Geben Sie Ihrer Rezension eine aussagekräftige Überschrift.
Anschließend können Sie einige Worte über die Aufmachung des Buches schreiben, bevor Sie sich dem Inhalt zuwenden. Sie können im Text die Dinge beschreiben, die das Buch auszeichnen, z.B. spannend, gefühlvoll, ausschweifend oder wie auch immer Sie es empfunden haben. Es darf auch auf einzelne Szenen hingewiesen werden, die man erwähnenswert findet. Jedoch sollte jeder so freundlich sein und keine Happy Ends oder die Auflösung eines Krimis preisgeben. Das findet weder ein Autor noch ein zukünftiger Leser besonders hilfreich. Natürlich kann eine Buchsbesprechung auch eine persönliche Meinung beinhalten, nur sollte sie nicht als allein maßgebend dargestellt sein. Geschmäcker sind bekanntlich sehr unterschiedlich und das gilt in der Kunst, zu der auch Literatur gehört, besonders.


Seien Sie ehrlich, aber bleiben Sie fair!


Ein ungeschriebenes Gesetz, an das sich seriöse Rezensenten halten, ist übrigens das Vermeiden von Verrissen. Damit ist nicht gemeint, dass keine negative Kritik geäußert werden soll. Sie sollte jedoch sachlich und wieder unter Berücksichtigung der Tatsache stattfinden, dass jeder Autor „seine“ Leserschaft hat, und dass nicht jeder, jeden Text gut finden kann. Kritisch ja, aber fair. Im Zweifelsfall lässt man ein Buch besser unbesprochen, denn keine Rezension ist auch eine Aussage. Setzen Sie Ihren Namen unter eine Rezension, vor allem, wenn Sie ernst genommen werden und von anderen Lesern als guter Ratgeber wahrgenommen werden möchten.


Nur wer am Ball ist, wird angegriffen


Zum Trost für alle Autoren, die die Ehre erhalten, von irgendeinem Missgünstling mit einem Verriss bedacht zu werden: Fühlen Sie sich geehrt! Denn mit dem Erfolg stellen sich auch die Neider ein. Nehmen Sie es als ein sicheres Zeichen der Anerkennung. Es ist wie beim Fußballspiel, wer den Ball hat, wird angegriffen, weil er das Erfolgsinstrument hat, das den anderen zum Weiterspielen fehlt. Außerdem befinden Sie sich damit in erfolgreicher Gesellschaft, die mit derartigen Kritiken gelassen umgeht; wie Sie hier nachlesen können:

Kehlmann

Schätzing

Rowling

Roche

Goethe

Lessing

Übrigens: Autoren die anderen Mitautoren negative Kritiken schreiben, in der Absicht sich selbst einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, stehen auf einem schmalen Brett, denn genau das wird vom Gesetzgeber nicht gern gesehen und kann schnell zum unangenehmen Bumerang werden. Wen es interessiert, hier finden Sie den gesamten Text § 4 Beispiele unlauterer geschäftlicher Handlungen

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5 Kommentare »

  • Ulla sagt:

    Es kommt ja immer wieder vor, dass Buchautoren fiese Verrisse schreiben, um ihren eigenen Werken einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Damit machen sie nicht nur sich lächerlich, sondern auch die von ihnen verfassten Bücher. Im Übrigen scheint es mir oft so zu sein, dass eine Rezension mehr über die Person des Rezensenten aussagt als über das besprochene Buch.

  • Walter-Jörg Langbein sagt:

    Genau so ist es! Ganz genau so!

    Walter-Jörg Langbein

  • gcroth sagt:

    Hier noch ein Link, der betroffenen Autoren vielleicht weiterhelfen kann, da es im Netz nicht so sehr viele gute Infos gibt.
    http://www.gruenderszene.de/allgemein/bewertungsplattformen-bewertungsportale

  • Benno sagt:

    Na da hat sich der feine Buchclub ja wieder gegenseitig aufs Schülterchen geklopft. Was ist eigentlich mit klüngelnden, mäßig erfolgreichen Autoren, die sich gegenseitig gute Rezensionen zuschustern, nur aus Gefälligkeit?
    Glauben Sie besser nicht, dass das dem Leser nicht auffällt, insbesondere nicht seit den jüngsten Wellen, an denen sich v.a. Frau xxx beteiligt hat.

  • Oliver sagt:

    Hallo Benno,

    nachdem der Vorwurf anonym veröffentlicht wurde, musste ich leider den Namen entfernen. Ansonten freuen wir uns immer über eine nette Geschichte. Wenn Sie ihren Fall ausführlich unter ihrem Namen veröffentlichen wollen, dann stelle ich gerne unsere Plattform zur Verfügung.