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Tausende von Büchern per copy und paste

Geschrieben am 7. April 2010 – 16:41Kein Kommentar

Als Sachbuchautor gibt es eine komfortable Möglichkeit mit wenig Aufwand und Arbeit locker mehrere Bücher im Jahr herauszubringen. Sie brauchen sich noch nicht einmal mit dem jeweiligen Thema auseinanderzusetzen. Auch auf die langwierige Schreiberei können Sie ebenso verzichten, wie auf einen Korrektor oder Lektor. Einzig für das Cover sollten Sie etwas Zeit und Mühe aufwenden und natürlich auf die Formatierung Ihres Buchblocks. Den Inhalt dieser Bücher haben andere längst geschrieben und stellen Ihnen diese Texte kostenlos Tag und Nacht abrufbereit zur Verfügung.

Sie ahnen schon welcher frevelhafte Gedanke dahinter steckt?

Ihr bester Partner ist bei dieser Aktion natürlich Wikipedia. Die Wissenssammlung für jedermann/-frau enthält kostenlosen Content, genug Material, um Tausende von Büchern zu füllen. Durch die Themenvielfalt ist die Spanne der möglichen Käufer breit gefächert. Einziger kleiner Wehrmutstropfen: Sie müssen irgendwo im Impressum erwähnen, woher sie das Material für ihre Bücher beziehen.

Bevor Sie mich und diese Idee jetzt in die Verdammnis schicken:

Es gibt sie wirklich, die “Autoren”, die genau das tun. Texte aus Wikipedia mit Copy und Paste einsammeln, formatieren und als Buch herausgeben. Lambert M. Surhone, Miriam T. Timpledon, Susan F. Marseken sind die Autoren und Herausgeber und betreiben mit dieser Praxis den Betascript publishing und den Alphascript publishing Verlag. 10.000 Bücher publiziert er nach eigenen Angaben auf der kleinen Insel Mauritius vor Madagascar (falls die angegebene Adresse stimmt) und zählt sich damit zu den größten und produktivsten Verlagen.

Lambert M. Surhone hat auf diese Weise bereits 21.568 Bucheinträge bei Amazon vorzuweisen. Seine beiden Mitstreiter stehen ihm in nichts nach, da sie ja in den meisten Fällen Mitautoren sind.

Was sagt Amazon dazu?

Ob das legal ist fragen Sie sich? Und ob Amazon das nicht merkwürdig vorkommt? So wie es aussieht, ist Amazon diese Geschäftspraxis durchaus bekannt und alles andere als unangenehm. Denn genau diese Bücher werden den Kunden zum Kauf als Empfehlungen angezeigt. Wer nicht lange fackelt und den Bestellbutton klickt, hat so schnell mal ein Buch für 30 bis 60 Euro im Warenkorb, dessen Inhalt er ebensogut kostenlos bei Wikipedia hätte lesen und herunterladen können. Doch davon hat Amazon natürlich wenig, denn wer Wiki liest, braucht keine teuren Buchkäufe tätigen. Das aber ist letztlich das, was Amazon braucht: Käufer, Käufer und noch mehr Käufer.

André Vatter hat sich diese betrügerische Geschäftsmasche genauer angesehen und heute Morgen Amazon um eine Stellungnahme zum Thema gebeten. Wir sind gespannt, wie die Antwort ausfällt, wenn es denn eine geben wird.

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