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Ist das Unwort schon ein Unwort?

Geschrieben am 9. Juni 2010 – 17:254 Kommentare

P1000116 Small 150x150 Ist das Unwort schon ein Unwort?Was ein Wort ist, weiß wohl jeder.
Das Gegenteil von Wort ist dann das Unwort.
Normalerweise bezeichnet die Vorsilbe „un-“, dass etwas nicht das ist, was die Bezeichnung danach verspricht. Also ist ein Unwort eigentlich kein Wort.
Unworte galt es früher zu vermeiden, heute sind sie längst zu neuen Ehren gekommen.

Jedes Jahr wird ein Unwort des Jahres erwählt.
Genaugenommen müsste es sich also um kein Wort handeln, das gewählt wird. Tut es aber nicht. Denn auch das Unwort ist ein Wort und heißt nur so, weil es kein schönes Wort ist.
Ist nun das Wort nicht schön? Sieht es hässlich aus? Ist es zu kurz, zu lang, zu unaussprechlich?
Nein, alles falsch. Gemeint ist die Information die es transportiert. Ein Unwort ist also ein Wort, das eine Information unschön transportiert?
Nein, auch nicht richtig. Es ist die Information, die ein Unwort vermittelt, das unschön daherkommt. Ja. So ähnlich könnte man es sagen.

Was sagt Wikipedia?
Zitat:
„Der Begriff Unwort ist ein Schlagwort aus dem Bereich der Sprachkritik und bezeichnet ein „unschönes”, aber auch ein „unerwünschtes” Wort“
Ahaaaa! Jetzt haben wir es. Ein Unwort ist nicht nur ein unschönes Wort, sondern auch ein unerwünschtes Wort!

Deutsche Sprache – schwere Sprache.
Es wird also alljährlich ein unschönes und von Herzen unerwünschtes Wort zum Unwort des Jahres gewählt. Dieses Wort ist dermaßen unerwünscht, dass es sich sogar bis in die Meldungen der „Heute“ Nachrichten katapultiert, damit jeder, aber auch wirklich jeder, von diesem unerwünschten Wort erfährt, um zu begreifen, dass er dieses Wort besser gleich wieder vergessen sollte.

Und das Wort?
Was ist mit dem schlichten einfachen Wort? Gibt ihm niemand die Ehre?
Keine Kürung zum schönsten Wort des Jahres, zum erwünschten Wort des Jahres? Das einfache gute alte Wort, mit dem man tagtäglich jongliert und Informationen übermittelt, ohne dass es auch nur einmal jammert oder aufmuckt?

Doch natürlich!
Selbstverständlich wird auch das Wort des Jahres gewählt. Es ist allerdings nicht, was mancher vielleicht vermuten würde, das schönste und erwünschteste Wort des Jahres, sondern ein Wort, das mit einem wichtigen Ereignis verknüpft ist und innerhalb weniger Monate in aller Munde war. Es kann also auch ein unerwünschtes und hässliches Wort sein. Mit anderen Worten, es ist durchaus logisch, wenn irgendwann das Wort des Jahres dasselbe ist, wie das Unwort des Jahres.

Ich denke das leuchtet ein, oder? Naja, wenn nicht, ist das auch kein Beinbruch. Hauptsache wir haben sie mal gehört, die Worte und Unworte des Jahres und setzen sie richtig ein oder auch unrichtig … alles andere wäre wohl ein Unding.

Haben Sie auch ein Lieblings-Unwort?
Übrigens kann sich jeder an dieser Wahl der Worte beteiligen. Haben Sie ein Wort entdeckt, dass Sie gern als Unwort des Jahres sehen würden? Dann schlagen Sie es einfach hier vor. Quelle und Grund Ihres Vorschlags angeben und ab geht die Post.

Noch mehr über Unworte und viele interessante Beispiele und Anregungen zum Thema Schreiben finden Sie in einem Blog, das sich ein den Namen „deutschlich“ verpasst hat. In welche Kategorie dieser Ausdruck fällt … darüber ließe sich fachsimpeln.

Wir können auch gern hier eine Sammlung von Unwort-Vorschlägen starten und diese am Ende des Jahres auswerten. Vorschläge einfach im Kommentarfeld posten oder per Email schicken.

4 Kommentare »

  • Ursula Prme sagt:

    Ein sehr schöner Artikel, vielen Dank! Ich habe mein Unwort des Jahres soeben vorgeschlagen und kopiere die Mail der Einfachheit halber hier rein:

    Sehr geehrter Herr Professor Dr. Schlosser,

    hiermit möchte ich meinen Vorschlag zum Unwort des Jahres einreichen:

    »Soziale Kompetenz«

    Meine Begründung ist folgende:
    Soziale Kompetenz wird gerne als Totschlagargument benutzt, da gefühlte 110 % aller Menschen erst googeln müssen, ehe sie die Bedeutung des Begriffes annähernd in Worte fassen können. Es wird von Kindergärtnerinnen und Grundschullehrern benutzt und von Eltern nachgeplappert, wenn es darum geht, zu erklären, dass wir uns „selbstverständlich alle lieb haben“, und dass es genügt, im selben Jahr geboren worden zu sein, um sich wortlos zu verstehen und auf keinen Fall streiten zu dürfen.

    Es wird ferner dazu benutzt, Einzelgänger zu Freaks zu erklären und Querdenker zu Bekloppten, selbst dann, wenn die Gesellschaft ohne sie nicht auskommen kann. Es ist somit das unsozialste Wort, das ich kenne, nur dazu geschaffen, nichtgleichgeschaltete Individuen ins Unrecht zu setzen und die Fahne der Gleichheit hochzuhalten, selbst wenn längst klar ist, dass Menschen NIEMALS gleich sein können, vielmehr gleichBERECHTIGT sein müssen.

    Der Begriff »Soziale Kompetenz« schafft neben allen anderen Wertungen eine weitere Hürde, die wir nehmen müssen, um als vollwertiger Mensch zu gelten und sollte deshalb ersatzlos in die Tonne getreten werden.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Ursula Prem

  • Rita Hajak sagt:

    Sicherlich hat jeder seine eigenen Unwörter. Ich habe eins was ich überhaupt nicht mag: einstweilen!

    Einer Bekannten helfe ich oft aus und beim Abschied sagt Sie immer: vielen Dank, einstweilen. Man kann doch davon ausgehen, dass sie sich mit dieser Bemerkung irgendwann revanchieren möchte. Weit gefehlt, dieses Wort höre ich schon seit Jahren, aber sonst kommt nichts.

    LG.Rita

  • schali sagt:

    Möchte eine fälschlich gebrauchte Formulierung hinzufügen. Die unsinnige Verwendung von “aller Zeiten”. Wenn der Superlativ nicht mehr ausreicht und man weiterhin wild steigern möchte – Teufel komm raus! -, dann nehmen die Moderatoren von Funk und Fernsehen gerne “aller Zeiten”. Und so tönt es den ganzen Tag: “Bester Sportler aller Zeiten”, “Größte Sängerin aller Zeiten”, “Meistbesuchtes Konzert aller Zeiten”, “Reichster Mann aller Zeiten”, “Klügstes Kind aller Zeiten”, “Schönste Frau aller Zeiten”, “Größter Jackpot aller Zeiten”, “Beste Aufführung aller Zeiten” – ach was, jetzt schon, im Jahre 2011?

    Demnach sind unsere Zeiten also vorbei und es kann nichts Besseres, Größeres, Klügstes mehr geben? Wie schade. Heißt: Gebt alle auf, ihr Menschen, ihr bleibt immer nur miese Wahl, denn alles Große ist bereits geschaffen – wir sind am Ende. Nochmal schade.

    Wenn ich an Beethoven, Mozart, Heine, Schiller, Goethe und andere Genies ihres Fachs denke, dann dürfte “aller Zeiten” ggf. stimmen, oder erleben wir demnächst einen zweiten Beethoven, Einstein, Nobel oder auch Goethe?

    Die Zeit fließt … nichts bleibt stehen. Und so wird es immer einen Menschen geben, der sich mit seinem Talent von anderen Menschen abhebt. Gut, das bereichert unser Leben, macht es spannend und vielseitig und bringt Wissen, Können und Freude … für uns alle.

    Jetzt bereits mit “aller Zeiten” alles zu beenden, obwohl keiner weiß, was uns auf dieser schönen Erde noch erwartet, ist doch so klagend traurig – eben einfach nur das Ende.

  • christian chwatal sagt:

    Mein neuestes persönliches Unwort: “googeln”…

    Googeln ist ja im Grunde etwas nützliches, praktisches, in Einzelfällen mag es sogar absolut notwendig erscheinen. Zum Unwort wird es, weil es, wie so vieles auf unserem Planeten, inflationär verkommen ist.

    Googeln als Allerheilmittel, durch die Allgegenwärtigkeit des Internets immer verfügbar dient ja mittlerweile schon als Beweismittelbeschaffung bei jeder Art der Unterhaltung und bei Streitgesprächen.
    Abgesehen davon, dass ein fragwürdiges Halbwissen zusammengegoogelt wird, entsteht auch noch ein Informationskonsumrausch, der ähnlich einem echten “Rausch” ist, am nächsten Tag haben wir Teile der Information wieder vergessen, womit die Halbwahrheit dann nur mehr eine Viertelwahrheit ist.

    Wer schon mal erlebt hat, wie sich zwei Gesprächspartner jeweils gegensätzliche Google-Ergebnisse unter die Nase gehalten haben, von denen beide nicht richtig waren, der versteht was ich meine.

    Mitlerweile bin ich soweit, dass ich ein Gespräch abbreche, wenn mein Gesprächspartner sofort vorschlägt: Googeln wir es doch……

    mit freundlichen Grüßen, christian